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Klima & Lüftung 8 Min.

Lüftungsanlage im Altbau nachrüsten: dezentral oder zentral? Kosten in Berlin 2026

Ozan Özdemir · 25. März 2026
Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung: Lohnt sie sich bei der Altbausanierung?
Sie möchten die Lüftung nachrüsten?Dezentrale Lüftung in Berlin nachrüsten lassen

Eine Lüftungsanlage im Altbau nachzurüsten ist in Berlin selten eine Frage des Wollens, sondern der Wohnung: Nach neuen Fenstern und einer gedämmten Fassade ist ein Gründerzeitbau so dicht, dass die Feuchtigkeit aus Küche, Bad und Schlafzimmer nicht mehr von allein abzieht. Wer dann nicht drei- bis viermal am Tag stoßlüftet, bekommt feuchte Ecken und irgendwann Schimmel. Eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung löst das dauerhaft und holt dabei den größten Teil der Wärme aus der Abluft zurück, die beim Fensterlüften verloren geht.

Dieser Artikel klärt die drei Fragen, die Berliner Eigentümer und Mieter uns dazu stellen: Welche Bauart passt in eine bewohnte Altbauwohnung, was kostet das Nachrüsten realistisch, und welche Förderung gibt es 2026. Die Zahlen sind Richtwerte aus unseren Projekten in Berlin, verbindlich wird immer erst das Angebot nach dem Aufmaß.

Wann eine Lüftungsanlage im Altbau nötig wird

Der Bedarf entsteht mit der Sanierung. Alte Kastenfenster und undichte Fugen haben in Berliner Altbauten jahrzehntelang für einen ständigen, wenn auch teuren Luftwechsel gesorgt. Neue Fenster mit Dreifachverglasung, eine gedämmte Fassade oder eine Dachdämmung schließen diese Wege. Das spart Heizkosten, verlagert aber die Feuchte nach innen. Zwei Personen geben nachts rund einen Liter Wasser an die Raumluft ab, dazu kommen Kochen, Duschen und Wäschetrocknen.

Nötig wird die Anlage deshalb überall dort, wo die Gebäudehülle dicht ist und regelmäßiges Lüften im Alltag nicht funktioniert: in berufstätigen Haushalten, in Wohnungen mit Allergikern, bei wiederkehrendem Schimmel an Außenwänden und in Wohnungen, die tagsüber geschlossen bleiben. In einem unsanierten Altbau mit alten Fenstern lohnt sie dagegen selten, dort geht die Wärme ohnehin durch die Fugen und der Luftwechsel ist hoch genug.

Dezentral oder zentral: welche Lüftung in den Berliner Altbau passt

Zwei Bauarten kommen infrage. Die zentrale Wohnraumlüftung versorgt alle Räume über ein Kanalnetz aus einem Gerät und erreicht 85 bis 95 Prozent Wärmerückgewinnung. Sie braucht dafür Kanäle in jedem Raum, also eine abgehängte Decke, nutzbare Schächte oder eine Kernsanierung, bei der ohnehin Decken und Wände geöffnet werden. In einem Einfamilienhaus mit Dachboden und Keller ist das gut lösbar, in einer bewohnten Gründerzeitwohnung mit Stuckdecken meist nicht.

Die dezentrale Lüftung arbeitet raumweise: Je Gerät entsteht eine Kernbohrung in der Außenwand, dahinter sitzt ein kleiner Lüfter mit Keramik-Wärmespeicher. Zwei Geräte laufen paarweise im Wechsel, rund 70 Sekunden nach außen, dann nach innen, und geben so 70 bis 85 Prozent der Wärme zurück. Kein Kanal, keine Decke, ein Montagetag je Raumpaar. Genau deshalb ist sie in Berliner Altbauwohnungen die häufigere Wahl, vor allem in Mietwohnungen und Eigentumswohnungen, wo ein Kanalnetz weder baulich noch von der Zustimmung her durchsetzbar wäre.

Unsere Faustregel aus der Praxis: Wird die Wohnung entkernt oder ist es ein Haus mit eigenem Dach und Keller, lohnt die zentrale Anlage. Bleibt die Wohnung bewohnt, geht es um zwei bis vier Räume oder fehlt die Zustimmung für größere Eingriffe, ist die dezentrale Lüftung die richtige Lösung. Beide Bauarten lassen sich mit Feuchtesensoren steuern, sodass die Anlage nur dann hochfährt, wenn die Luftfeuchte über 60 Prozent steigt.

Was das Nachrüsten kostet: Richtwerte für Berlin

Dezentrale Lüftung: Ein Gerätepaar mit Wärmerückgewinnung kostet inklusive Kernbohrungen, Anschluss an einen vorhandenen Stromkreis und Inbetriebnahme 2.000 bis 3.125 Euro, also 1.000 bis 1.600 Euro je Gerät. Eine 3-Zimmer-Wohnung mit vier Geräten liegt bei 4.000 bis 6.250 Euro. Premiumgeräte mit Feuchtesensor, Pollenfilter und App-Steuerung kosten je Paar 3.000 bis 4.500 Euro. Kernbohrungen in Vollziegel oder Stahlbeton schlagen mit 150 bis 300 Euro je Bohrung zu Buche, ein Gerüst oder eine Hubarbeitsbühne bei unzugänglicher Fassade mit 300 bis 900 Euro.

Zentrale Wohnraumlüftung: Für eine Wohnung mit 80 bis 100 Quadratmetern rechnen wir mit 7.500 bis 15.000 Euro inklusive Planung, Kanalnetz und Montage. Für ein Einfamilienhaus oder eine Doppelhaushälfte sind es in der Nachrüstung 10.000 bis 25.000 Euro, je nach Gebäudegröße, Gerät und dem Aufwand für die Kanalführung. Bei beiden Bauarten kommen laufende Kosten dazu: 40 bis 100 Euro Strom im Jahr und 60 bis 190 Euro für Filter und Wartung.

Förderung 2026: 15 Prozent Zuschuss vom BAFA

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gehören in der Bundesförderung für effiziente Gebäude zur Anlagentechnik. Der Zuschuss beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Den Bonus von 5 Prozentpunkten für einen individuellen Sanierungsfahrplan gibt es seit dem 21. Juli 2026 erst ab 30.000 Euro förderfähigen Kosten und nur für den Betrag darüber. Bei einer Lüftungsnachrüstung allein bleibt es deshalb bei 15 Prozent. Der Bonus kommt erst in Betracht, wenn in einem Antrag mehr als 30.000 Euro zusammenkommen, etwa Lüftung zusammen mit Dämmung oder Fenstern. Das gilt für dezentrale Geräte genauso wie für zentrale Anlagen, sofern die Geräte die technischen Mindestanforderungen an die Wärmerückgewinnung erfüllen. Zuständig ist das BAFA, nicht die KfW, die nur die Heizung fördert.

Zwei Bedingungen entscheiden über den Zuschuss: Der Antrag muss gestellt sein, bevor der Auftrag verbindlich wird, und ein gelisteter Energieeffizienz-Experte muss die Maßnahme bestätigen. Unser Energieberater ist dena-gelistet und übernimmt beides. Wer den Zuschuss nicht nutzen will oder kann, setzt alternativ 20 Prozent der Kosten über drei Jahre steuerlich ab, sofern er die Wohnung selbst bewohnt und das Gebäude älter als zehn Jahre ist. Beides zusammen geht nicht. Einen Berliner Landeszuschuss für Lüftungsanlagen gibt es derzeit nicht: Das Programm Effiziente GebäudePLUS der Investitionsbank Berlin nimmt seit Dezember 2023 keine Anträge mehr an.

Die baulichen Voraussetzungen: Kanäle, Schächte, Kernbohrung

Für die zentrale Anlage ist die Kanalführung der Knackpunkt. Berliner Altbauten haben hohe Decken, breite Flure und oft stillgelegte Schächte aus der Zeit der Ofenheizung, die sich manchmal nutzen lassen. Sonst bleiben eine abgehängte Decke im Flur, die acht bis zehn Zentimeter Raumhöhe kostet, oder sichtbar verlegte Kanäle. Stuckdecken, Denkmalschutz und Milieuschutz schränken das ein. Wir prüfen die Trassen beim Vor-Ort-Termin, bevor ein Angebot entsteht.

Für die dezentrale Lüftung ist die Außenwand entscheidend. Vollziegelwände von 50 bis 70 Zentimetern sind kein Hindernis, sie verlängern nur die Bohrzeit. Im Plattenbau klären wir vorher die Lage der Bewehrung. In der Mietwohnung braucht die Kernbohrung die schriftliche Zustimmung des Vermieters, in der Eigentumswohnung einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft, weil die Außenwand Gemeinschaftseigentum ist. Wir liefern dafür Datenblatt, Schallwerte und eine Skizze der Bohrpositionen. Bei geschützten Fassaden setzen wir die Bohrung auf die Hofseite oder in eine Fensterlaibung.

Worauf Eigentümer vor der Entscheidung achten sollten

Eine Lüftungsanlage ersetzt keine Dämmung und keine dichten Fenster. Sie funktioniert nur dann effizient, wenn die Gebäudehülle insgesamt dicht ist, sonst zieht die Frischluft weiter durch die Fugen und die Wärmerückgewinnung läuft ins Leere. Wer beides plant, sollte die Lüftung von Anfang an mitdenken: Im Zuge einer Fassadendämmung sind die Kernbohrungen oder Kanaldurchführungen deutlich günstiger als nachträglich.

Bestehender Schimmel wird vor der Montage saniert, sonst verteilt die Anlage die Sporen. Sitzt der Befall an einer kalten Wärmebrücke, etwa der Außenecke hinter dem Schrank, gehört zusätzlich die Wand gedämmt. Und wer ohnehin eine neue Heizung plant, kombiniert sinnvoll: Je weniger Wärme beim Lüften verloren geht, desto kleiner lässt sich eine Wärmepumpe auslegen.

Zur Wartung gehören der Filterwechsel alle drei bis sechs Monate und bei zentralen Anlagen die Kanalreinigung alle paar Jahre. Diese Kosten gehören in die Kalkulation, sie sind aber überschaubar, und ein verschmutzter Filter ist der häufigste Grund, warum eine Anlage nach zwei Jahren plötzlich laut wird.

Fazit: Lüftungsanlage im Altbau, ja oder nein?

Ja, wenn die Wohnung saniert und dicht ist, wenn Feuchte oder Schimmel ein Thema sind oder wenn regelmäßiges Lüften im Alltag nicht klappt. In der bewohnten Altbauwohnung ist die dezentrale Lüftung fast immer die praktikable Bauart, im Haus mit Dach und Keller oder bei einer Kernsanierung die zentrale Anlage. Mit 15 Prozent Zuschuss und der Heizkostenersparnis rechnet sich die Investition in gut gedämmten Gebäuden nach zehn bis fünfzehn Jahren, der eigentliche Gewinn ist aber die Wohnung ohne feuchte Ecken.

Nein, wenn der Altbau unsaniert ist und die Fenster ohnehin undicht sind. Dann ist das Geld in Fenstern und Dämmung besser angelegt, und die Lüftung kommt im zweiten Schritt. Welcher Fall bei Ihnen vorliegt, klären wir beim Vor-Ort-Termin in Berlin, unverbindlich und ohne Verkaufsdruck.

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